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Winzerberuf wird immer beliebter

12/02/2005

Ausbildungszahlen im Jahr 2005 stark gestiegen. Der Winzerberuf gewinnt an Popularität.


Dies zeigen die in den letzten Jahren stetig steigenden Ausbildungszahlen an den Berufsschulen in den deutschen Weinbaugebieten. Waren es beispielsweise in der Pfalz Anfang der 90er Jahre nur insgesamt 70 Schüler, die sich in der Ausbildung zum Winzer befanden, stiegen die Schülerzahlen sprunghaft um die Jahrtausendwende auf 157 an und liegen mittlerweile bei 185 Absolventen. Interessant wird der Winzerberuf auch zunehmend für Quereinsteiger: 60% der in diesem Jahr neu eingeschulten 74 Auszubildenden der Pfalz stammen nicht aus Winzerfamilien. „Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort“, bestätigt Alfred Fischer von der Berufsschule im DLR-Rheinpfalz in Neustadt an der Weinstraße. Steigende Schülerzahlen werden auch aus anderen Weinbaugebieten wie z.B. Rheinhessen, der Mosel oder Baden gemeldet. In der Freiburger Edith-Stein-Berufsschule hat sich die Schülerzahl innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Längst ist es auch dort nicht mehr überwiegend der Winzernachwuchs, der in die Fußstapfen seiner Eltern tritt, bestätigt Egon Buchmüller, Fachabteilungsleiter Agrarwirtschaft der Berufsschule in Freiburg. 50% seiner Schüler stammen nicht aus Winzerfamilien, 10% davon sind Vollakademiker, dementsprechend hoch ist das Leistungsniveau.

Für Armin Göring, Geschäftsführer des Deutschen Weininstituts (DWI), ist diese positive Entwicklung auch auf die zunehmende Anerkennung des Deutschen Weines und seiner Erzeuger im In- und Ausland zurückzuführen. Die weiterführenden Schulen wie die Fachhochschule in Heilbronn, die für Winzer einen Abschluss als Diplom-Betriebswirt in acht Semestern anbietet, sowie die Fachhochschule in Geisenheim, die in ihrem Studiengang „Weinbau und Oenologie“ den Diplom-Abschluss ermöglicht, können sich ebenfalls über mangelndes Interesse nicht beklagen. Die Absolventen der Geisenheimer Fachhochschule genießen weltweit einen guten Ruf. Viele Geisenheimer besetzen Spitzenpositionen in der Weinwirtschaft als Oenologe, Betriebsleiter sowie in Marketing und Vertrieb im In- und Ausland.

Viele Talente sind gefragt
Ein weiterer Grund für die Attraktivität des Winzerberufs liegt auch in seiner Vielseitigkeit. „Unter allen Berufen bietet kaum einer mehr Abwechselung, als der des Winzers“, erläutert Armin Göring, „denn vom Pflanzen und Bearbeiten der Reben über die Ernte der Trauben und die Weinbereitung bis hin zum Vertrieb des eigenen Weines liegt alles in seiner Hand.

Winzer aus Leidenschaft
Zu Vorbildern für den Nachwuchs sind mittlerweile die vielen erfolgreichen Jungwinzer avanciert, die dank innovativer Marketingaktivitäten für frischen Wind in der deutschen Weinlandschaft sorgen. Kooperieren statt konkurrieren heißt ihre Devise. Sie nennen sich beispielsweise „Rheinhessen Five“, „Junges Schwaben“ oder „Südpfalz Connexion“ und besinnen sich auf die alten Werte des Weinbaus. Sie sind Winzer aus Leidenschaft und repräsentieren die Bedürfnisse unserer Gesellschaft nach Authentizität und Zuverlässigkeit. Sie setzen konsequent auf Qualität und der Erfolg gibt ihnen recht. Für Philipp Kuhn, Mitglied der Winzergruppe „Die Junge Pfalz“, ist sein Beruf ein ganz einzigartiger: „Als Winzer ist man Landwirt, Kellermeister, Marketingchef, Mechaniker und Produktdesigner in Personalunion. Ganz besonders fasziniert es mich, dass man jedes Jahr nur eine Chance bekommt. Zum Zeitpunkt der Ernte ist die Stunde Null, da muss man ran wie ein Leistungssportler. Und am Feierabend belohnt man sich selbst mit einem gelungenen Wein!“

Weiterführende Literatur: Weitere Informationen über die Ausbildung zum Winzer bietet die Broschüre „Berufsbildung im Weinbau – Ausbildung –Fortbildung – Studium“ des aid-Infodienstes, ISBN 3-8308-0557-8, Preis 2,00 EUR zzgl. Versand.