Details

Frauen und Wein: Die Weinwelt wird weiblicher

03/04/2008

Es ist keine Revolution, kein massiver Umbruch. Der Wandel vollzieht sich gemächlich. Frauen erobern sich die Weinwelt und dringen immer mehr in Bereiche vor, die lange Zeit als reine Männerdomaine galten. Die Weinwelt verändert sich, Winzerinnen sind auf dem Vormarsch.


Winzer oder Önologe ist längst kein reiner Männerberuf mehr, das belegen aktuelle Zahlen, wie beispielsweise der Frauenquoten an der Fachhochschule Geisenheim, der international anerkannten Hochschule für Önologie. Dort hat sich die Zahl der Studentinnen im Studiengang Weinbau und Getränketechnologie im Laufe der vergangenen fünfzehn Jahre pro Semester fast verdoppelt. Heute stellen die Frauen fast ein Viertel der Studierenden dieses Studiengangs. Im neu geschaffenen Studiengang Internationale Weinwirtschaft betrug die Frauenquote im Wintersemester 2006/2007 sogar über 47 %.

Über 56 % beträgt der Anteil der Frauen an der Fachhochschule Heilbronn, wo im Studiengang Weinbetriebswirtschaft derzeit 69 Frauen immatrikuliert sind. Das Interesse wächst. 
Eine vergleichbare Entwicklung lässt sich beim Ausbildungsberuf Winzer/Winzerin beobachten. Seit 1993 stieg die Zahl der weiblichen Anwärter in diesem Ausbildungsberuf von 55 auf zuletzt 135.

Frauenanteil wächst auch bei den Sommeliers
Die Weinszene lockt die Frauen nicht nur in die Produktion. Auch in der Vermarktung, wie etwa in der Gastronomie zeigt sich ein wachsender Frauenanteil mit hoher Weinaffinität. An den Sommelierschulen in Koblenz, Hamburg und Berlin beispielsweise wird inzwischen durchschnittlich jede zweite Anmeldung von einer Frau ausgefüllt. An der Hotelfachschule in Heidelberg sind in diesem Jahr die Frauen sogar in der Überzahl. Auf fünf Frauen im zweijährigen Ausbildungsgang kommt nur ein männlicher Studierender.

Weibliche Nachfolge im Weingut
Was ist es, das Frauen in die Weinszene lockt? Viele von ihnen stammen selbst aus Weinbaubetrieben und wollen später einmal den elterlichen Betrieb übernehmen. Was noch vor wenigen Jahren die große Ausnahme war, wird heute immer mehr zur Normalität. Statt Vater und Sohn leiten heute Vater und Tochter gemeinsam das Weingut und auch die weibliche Nachfolge ist heute schon selbstverständlicher als noch vor wenigen Jahren.

Dennoch gibt es immer noch Bereiche im Weinbau, die männlich dominiert sind. Bei den Winzergenossenschaften beispielsweise sind Frauen an der Spitze noch die Ausnahme. Ob es an der Gremienarbeit liegt, oder an den Netzwerken, die bei Frauen anders gestrickt sind als die gewachsenen Strukturen bei den männlichen Kollegen – wer weiß. Tatsache ist, dass die Frauen der Weinszene auch in Sachen Netzwerk aufholen.

Seit fünfzehn Jahren engagieren sich beispielsweise Winzerinnen, Weinfachfrauen, Gastronominnen und Weinjournalistinnen bei Vinissima, einem Verein, der sich klar als Frauennetzwerk definiert (www.vinissima-ev.de). Vorrangiges Ziel: Der gemeinsame Erfahrungsaustausch nicht nur bei fachlichen Themen, sondern auch bei Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Weinmagazin für Frauen
Die weibliche Weinszene wächst jedoch nicht nur auf der Seite der Produzenten und Vermarkter. Auch für Genießerinnen und Weinfreundinnen wächst das Angebot an Information. Vor kurzem erst ging das erste elektronische Weinmagazin für die Frau ans Netz. Vinifera, ein informatives und unterhaltsames Magazin, zugeschnitten auf die weininteressierte Frau (www.vinifera-magazin.de).