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Riesling wächst im Anbau

06/14/2006

Die Pflanzsaison in den Weinbergen ist im vollen Gange. Nach dem Rotweinboom der letzten Jahre stehen bei den Winzern derzeit die weißen Rebsorten wieder hoch im Kurs. Insbesondere Riesling, der in Deutschland über 500 Jahre Tradition hat, wird in diesem Jahr besonders häufig gepflanzt, aber auch Grau- und Weißburgunder sowie Rivaner sind gefragt.


Unter den Rotweinsorten steht mit Abstand der Spätburgunder an erster Stelle. Dies geht aus der Statistik des Bundesverbandes der deutschen Rebenpflanzguterzeuger hervor. Armin Göring, Geschäftsführer des Deutschen Weininstituts , begrüßt diese Entwicklung sehr: „Der Riesling ist Deutschlands Top-Rebsorte, die seit einigen Jahren national wie international eine Renaissance erlebt. Er bringt bei uns einzigartige und unverwechselbare Weine hervor. Diesen Standortvorteil, der auch auf andere Weißweinsorten wie Weiß- und Grauburgunder oder Rivaner zutrifft, sollten wir weiter ausbauen.“  Nach ca. 30 – 50 Jahren werden die Weinberge in der Regel gerodet und durch junge Reben ersetzt. Den ersten Ertrag erhält der Winzer erst nach etwa drei Jahren.

Riesling – Made in Germany
Der Riesling gilt als das Aushängeschild des deutschen Weinbaus, wie keine andere Rebsorte bestimmt er das weltweite Weinimage Deutschlands. Die unterschiedlichen Böden garantieren eine große geschmackliche Vielfalt und damit die Faszination deutscher Rieslinge. Man darf getrost von Deutschland als der Heimat des Rieslings sprechen, immerhin stehen rund 65 Prozent aller Rieslinge der Welt in deutschen Weinbergen. Die Mosel ist gar das größte zusammenhängende Riesling-Anbaugebiet der Welt.

Lange Reife – Viel Aroma
Die nördlichste Klimagrenze des Weinbaus nahe dem 51. Breitengrad ist ein Glücksfall für den Riesling, denn die kleine runde Traube bevorzugt kühlere Klimazonen. In den teilweise von einem kontinentalen Klima geprägten deutschen Anbauregionen reift der Riesling sehr langsam und wird in der Regel erst ab Mitte Oktober bis Ende November gelesen. Das Resultat dieser langen Reifeperiode ist eine intensive Aroma-Ausprägung. Die Riesling-Traube erlaubt eine Vielfalt an Stilen - von trocken bis edelsüß, vom Qualitätswein bis zur Trockenbeerenauslese und delikaten Eisweinen. Dabei bringt der Riesling auch mit niedrigen Alkoholgraden geschmacklichen Glanz und geschliffenes Aromenreichtum ins Glas. Denn Riesling ist eine einfallsreiche Rebsorte, deren Stärke in der geschmacklichen Vielfalt von Pfirsich- und Zitrus-Noten, exotischen Früchten bis süßen Honig-Aromen liegt. Hinzu kommt die einzigartige Kombination von Fruchtsäure und Extrakt, die – mal pikant, mal prononciert - immer wieder mit neuen Varianten und Finessen überrascht, die mit dem Geschmack spielt, alle Süßegrade auskostet und dabei das Brillante zum Vorschein bringt.
Keine andere weiße Rebsorte bietet dem Verbraucher eine solche Chance, in einem reinsortigen Wein diese Vielfalt an geschmacklichen Facetten zu entdecken und zu erleben. Außerdem kann die Rebsorte langlebige Weine hervorbringen, die vor allem die Charakteristik des Weinbergs zum Ausdruck bringen, ohne dabei ihre Typizität zu verleugnen. Riesling bleibt immer authentisch.
Junge, leichte Rieslingweine, je nach Gusto trocken bis fruchtig süß, sind herrliche Sommerweine. Trockene bis halbtrockene Rieslinge passen besonders gut zu leichten Fisch- und Fleischgerichten oder auch zur asiatischen Küche. Fruchtig süße Spätlesen oder edelsüße Auslesen sind vorzügliche Begleiter zu fruchtigen Desserts. Altersgereifte edelsüße Auslesen und Beerenauslesen sind ein optimaler Aperitif bei festlichen Menüs oder können anstelle des Desserts stehen.

Die Geschichte des Rieslings
Über die Herkunft wird, wie bei den meisten anderen Rebsorten, auch beim Riesling immer wieder gerätselt. Viele Jahreszahlen geistern als Erstnennung der Rebsorte durch die Weinbaugeschichte und manche sehen in König Ludwig dem Deutschen (843 bis 876) denjenigen, der die Rebe am Rhein pflanzen ließ. Eines der ersten verbürgten Dokumente, in denen der Riesling erwähnt wird, ist eine Kellereirechnung der Zisterzienserabtei Eberbach im Rheingau vom 13. März 1435 über „seczreben rießlingen in die wingarten“ an die Grafen von Katzenelnbogen. Schon 1392 hatten die Mönche im Rheingau mit dem Übergang vom vorherrschenden Rotweinanbau zur Kultivierung weißer Sorten begonnen und es ist anzunehmen, dass dabei auch Riesling gepflanzt wurde.
Auch der Ursprung des Namens Riesling bleibt unklar. Vermutlich stammt er aus dem 15. Jahrhundert und könnte sowohl von Rußling (Rus = dunkles Holz) wie auch von Rissling (rissig = reißen) abgeleitet sein. In seiner heutigen Schreibweise wird die Rebsorte erstmals 1552 im lateinischen Text des Kräuterbuches von Hieronymus Bock erwähnt, in der deutschen Fassung von 1577 heißt es: „Rieslinge wachsen an der Mosel, Rhein und im Wormser Gau.“

Der Siegeszug des Riesling beginnt bereits im 17. Jahrhundert
Die Ausweitung des Rieslinganbaus in Deutschland begann mit den Bemühungen um die qualitative Verbesserung des Weinbaus rund hundert Jahre später. Das Mainzer St. Clara-Kloster verfügt im Jahr 1672, dass die roten Weinstöcke auszuhauen und durch gutes „Rißling-Holz“ zu ersetzen sind. 1720 werden in den Weinbergen der alten Benediktiner Abtei Johannisberg 294 000 Reben gepflanzt, wovon der „Rißling“ die erste Stelle einnimmt. Eine Initialzündung, die den Kellermeister notieren lässt: „In dem ganzen Rheingau darf keine andere Traubensorte zur Verfertigung der Weine gepflanzt werden, als nur Rieslinge“.
Der Fürstbischof von Speyer, Kardinal Franz Christoph von Hutten verfügt im Januar 1744 für sein Deidesheimer Territorium, „man solle keine Alben (Elbling) mehr anbauen, sondern edlere Sorten, darunter den Riesling“. Im Elsass lässt 1756 das Jesuitenkolleg in Schlettstadt Rieslinge pflanzen und der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus befiehlt per Erlass am 8. Mai 1787, „alle minderwertigen Rebsorten auszuhauen und durch Riesling zu ersetzen“.
Die Entscheidung für den Riesling hat die deutschen Wein-Landschaften nachhaltig geformt und geprägt, kulturelle Akzente gesetzt und – neben der klösterlichen Wein-Kultur, auf die viele berühmte Lagen zurück gehen - auch eine weltliche Weinbau-Struktur entstehen lassen, die bis heute dem Riesling verbunden ist.
Ihren ersten Höhepunkt hatten die Rieslinge von Rhein und Mosel gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals wurden sie in aller Welt zu höchsten Preisen gehandelt. Sie wurden an den europäischen Königshäusern sehr geschätzt und waren oft um ein Vielfaches teuerer als Weine aus dem Bordeaux. „Deutscher Riesling“ gilt heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder weltweit als Qualitäts-Begriff mit Echtheitsgarantie. Er zählt heute wieder zu den teuersten Weißweinen der Welt und viele der besten Rieslinge wachsen in deutschen Weinbergen.