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DWI zeichnet "Beste Burgunder" aus

10/07/2011

Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat in diesem Jahr erstmals drei Sonderpreise für den besten Weiß-, Grau- und Spätburgunder der DLG-Bundesweinprämierung 2011 vergeben. Die Preisträger kommen aus der Pfalz und vom Kaiserstuhl.


 

Das Bild zeigt von Links: Thomas Langenbacher (WG Sasbach), Gerhard Staiblin (WG Sasbach), Annika Strebel (63. Deutsche Weinkönigin), Marislena Ziegler (Weingut Ziegler, St. Martin), Michael Ziegler (Weingut Ziegler), Thorsten Ochoki (Wein- und Sektgut Wilhemshof) und Barbara Roth (Wein- und Sektgut Wilhelmshof). Bild: DWI
 
Das Bild zeigt von Links: Thomas Langenbacher (WG Sasbach), Gerhard Staiblin (WG Sasbach), Annika Strebel (63. Deutsche Weinkönigin), Marislena Ziegler (Weingut Ziegler, St. Martin), Michael Ziegler (Weingut Ziegler), Thorsten Ochocki (Wein- und Sektgut Wilhemshof) und Barbara Roth (Wein- und Sektgut Wilhelmshof). Bild: DWI
 

Den Preis für den besten Weißburgunder des Wettbewerbs erhielt das Pfälzer Wein- und Sektgut Wilhelmshof aus Siebeldingenfür die 2010er Weißburgunder Spätlese trocken aus der Lage Siebeldinger im Sonnenschein. Das Weingut Alfons Ziegler aus St. Martin in der Pfalz wurde für seine 2010er Grauburgunder Spätlese trocken aus der Lage Edenkobener Heilig Kreuz ausgezeichnet. Mit ihrer 2009er Spätburgunder Auslese trocken von der Sasbacher Roten Halde, präsentierte die Winzergenossenschaft Sasbach am Kaiserstuhl den besten Spätburgunder des Wettbewerbs.

Eine Jury aus Weinexperten und Medienvertetern hat die Siegerweine aus den Burgunderweinen mit den besten Bewertungen des DLG-Wettbewerbs gekürt. Insgesamt hatten in diesem Jahr 267 Weißburgunder, 255 Grauburgunder und 688 Spätburgunder an der Bundesweinprämierung teilgenommen.

Die Urkunden wurden am 6. Oktober durch die frisch gekürte Deutsche Weinkönigin Annika Strebel und DWI-Geschäftsführerin Monika Reule in Mainz überreicht.Reule betonte im Rahmen der Preisverleihung, dass sie auch gute Chancen für einen erfolgreichen Export dieser drei Burgundersorten auf vielen Auslandsmärkten sehe: „Dieses Trio gewinnt sowohl im eigenen Land als auch international zunehmend an Popularität. Außerdem zählt Deutschland zu den wichtigsten Erzeugerländern dieser Rebsorten weltweit. Mit rund 20.000 Hektar machen sie zusammengenommen ein Fünftel der hiesigen Rebfläche aus. Dank der unterschiedlichen Terroirs in den 13 deutschen Anbau­gebieten erreichen diese Sorten hierzulande eine einzigartige Vielfalt, was uns ein Alleinstellungsmerkmal auf den internationalen Märkten verleiht“, betonte die DWI-Chefin.Zudem hätten die deutschen Erzeuger hierzulande hervorragende klimatische Bedingungen, die die Produktion von Burgundern in allen Stilrichtungen, vom fruchtbetonten Basiswein bis hin zu komplexen im Barrique ausgebauten Burgundern, zulasse, so Reule.

Spätburgunder und seine Fruchtaromen

Spätburgunder
Der Spätburgunder gilt wegen seines hohen Anspruchs an Boden und Klima und seiner finessenreichen, eleganten Weine als das rote Gegenstück zum Riesling. „In unseren kühleren Klimazonen reifen die Trauben langsamer und länger heran, was zu einer harmonischen Ausgewogenheit von Fruchtsäure und Aromen führt. Dies macht den besonderen Charme des deutschen Spätburgunders aus“, erläutert die DWI-Geschäftsführerin. Sein Anbau hat in Deutschland eine sehr lange Tradition, wie Nachweise über Pflanzungen aus dem Jahr 884 am süddeutschen Bodensee belegen. Die Anbaufläche in den 13 deutschen Anbau­gebieten beläuft sich heute auf rund 11.500 Hektar. Damit besitzt Deutschland die drittgrößte mit Spätburgunder-Rebfläche der Welt.

„Die Qualität der deutschen Spätburgunder hat in den letzten Jahren enorm zugelegt, wie zahlreiche internationale Auszeichnungen für deutsche Spätburgunder in jüngster Zeit eindrucksvoll belegen. Dies liegt zum einen an den hervorragenden klimatischen Bedingungen, die in den letzten Jahren geradezu ideal waren für die Produktion fruchtbetonter, hochwertiger Spätburgunder, zum anderen aber auch am Qualitätsstreben und an der hervorragenden Ausbildung unserer international geschulten nachwachsenden Winzergeneration“, betont Monika Reule.

Rund die Hälfte des deutschen Spätburgunders wächst in Baden. Besonders in den warmen Lagen des Kaiserstuhls fühlt er sich wohl. Zwischen Jura und Südvogesen liegt die so genannte „burgundische Pforte“, durch die mediterrane Warmluft nach Baden einströmt – nomen est omen, denn Burgund ist die Heimat des Pinot Noir. Beachtlich sind auch die Spätburgunderflächen der Pfalz sowie von Rheinhessen und Württemberg. In Rheinhessen wird er besonders bei Ingelheim angebaut, das sich stolz „Rotweinstadt“ nennt. Im Rheingau sind die Spätburgunder aus Assmannshausen weltbekannt. Der Spätburgunder gedeiht außerdem sehr gut an der Ahr, wo er etwa 63 Prozent der Rebfläche einnimmt.

Spätburgunder aus allen deutschen Weinregionen charak­terisiert eine charmante, reife Fruchtigkeit mit Anklängen von Erdbeeren Kirschen, und Brombeeren. Die Weine verfügen in der Regel über einen etwas geringeren Gehalt an Tanninen als andere Rotweinsorten. Sie zeichnen sich dagegen durch ihre fruchtige Säure und eine geschmeidige, elegante Struktur aus. Im Glas leuchten die edlen Weine rubinrot. Zu Fleisch aller Art, Geflügel, aber auch zu kräftigen Fischgerichten passt Spätburgunder ausgezeichnet, besonders wenn er durch das Barrique noch mehr Struktur bekommt. Als Rosé oder als „Blanc de Noirs“, also als ein aus roten Trauben gewonnener Weißwein, ist er ein vielseitiger Begleiter etwa zu Gemüse, Picknicks oder sommerlichen Salaten.

Grauburgunder
Grauburgunder und seine FruchtaromenDer Grauburgunder oder Graue Burgunder ist international als Pinot Gris oder Pinot Grigio geläufig; mit seiner Anbaufläche von 4.700 Hektar liegt Deutschland nach Italien und den USA weltweit an dritter Stelle. Er wird aus Trauben gekeltert, deren malvenfarbigen Trauben auffallen, was unter anderem auf seine Mutation aus dem Spätburgunders zurückzuführen ist.

Zarte Aromen mit Noten von reifen Birnen, Ananas, Quitte und grünen Nüssen zeichnen deutsche Grauburgunder aus. Die Säure ist wie bei allen Burgundersorten niemals dominant, die Frucht hat Fülle und Schmelz. Ein trockener Grauburgunder ist häufig ein sommerlich-leichter, erfrischender Tropfen, der ideal zu Vorspeisen, leichten Bistro-Gerichten und Spargel passt, der in Deutschland von April bis Juni Saison hat und dann alle Speisekarten bereichert. Im Barrique ausgebaut, mit kraftvollem Körper, ist er ein ganz anderer Typ, der auch auf der feinen Tafel zu opulenten Speisen – Fleisch, Fisch, Geflügel – mit kräftigen Saucen eine sehr gute Figur macht. Eine etwas schwerere, restsüß ausgebaute Variante heißt bisweilen auch Ruländer, benannt nach dem Kaufmann Johann Ruland. Der fand in seinem Garten in Speyer im Jahre 1711 eine Rebe, deren Trauben er höchst schmackhaft fand, weshalb er sie vermehrte – es war der Grauburgunder.

Der Grauburgunder erfreut sich bei den Winzern und Verbrauchern in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. Er wird in allen Anbaugebieten angebaut, vor allem in Baden (Kaiserstuhl), in der Pfalz und in Rheinhessen sowie in Saale-Unstrut. Grauburgunder erreicht in Deutschland eine wohl einzigartige Vielfalt – vom Qualitätswein bis hin zur Trockenbeerenauslese.

 

Weißburgunder und seine Fruchtaromen

Weißburgunder
Der Weißburgunder wächst hierzulande auf 4.100 Hektar – mit stark steigender Tendenz. Seit dem 14. Jahrhundert ist diese Burgunder-Spielart bekannt. Wie seine Verwandten ist der Weißburgunder ein herrlicher Speisenbegleiter. Der elegante Weiße ist mit seinen zart nussigen Anklängen und Fruchtaromen, die von Zitrusfrüchten über Birne bis hin zur Quitte reichen können, ein toller Partner zu zartem Fisch und jungem Gemüse, auch zu Spargel. Wie seine Verwandten braucht der Weißburgunder tiefgründige Böden und trockene Wärme. In den deutschen Anbaugebieten mit ihren zahlreichen Mikroklimata findet die Sorte ausgezeichnete Verhältnisse: in Baden, in Rheinhessen und der Pfalz, an Nahe und Mosel, in Sachsen und Saale-Unstrut bringt der Weißburgunder besonders filigrane Tropfen hervor. Auch zur Sekterzeugung eignet er sich sehr gut. Einen Winzersekt vom Weißburgunder sollte man sich nicht entgehen lassen.