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Das Weinjahr 2006 – Ein Blick in die Anbaugebiete

10/23/2006

Der Weinjahrgang 2006 stellte für viele Winzer eine große Herausforderung dar. Wie diese gemeistert wurde, erläutert das Deutsche Weininstitut (DWI) in den nachfolgenden Berichten aus den Anbaugebieten.


An der Ahr erreicht der aktuelle Jahrgang mit sehr hohen Mostgewichten fast die Reife des Jahrgangs 2003. Oechslegrade über 100° sind beim Spätburgunder keine Seltenheit. Selbst Müller-Thurgau lag bei durchschnittlich 75° Oechsle. An der Ahr regnete es weniger als im Süden. Die Lese begann mit dem Frühburgunder zeitig im September und war Mitte Oktober im Wesentlichen beendet. Reifes Lesegut geht einher mit moderaten Säurewerten. Bei einem guten Ertrag von ca. 44.000 Hektolitern ist man an der Ahr mit den Mengen und Qualitäten sehr zufrieden.

Innerhalb von drei bis vier Wochen wurde in Baden die Mitte September begonnene Weinlese vollzogen. Für die badischen Winzer war es ein sehr arbeitsintensiver Herbst, bei der die selektive Lese oberste Priorität hatte. Dementsprechend musste die Mengenerwartung nach unten korrigiert werden. So wird nur noch mit einem Ertrag von 1,1 Mio. hl gerechnet, ca. 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Aufgrund geringerer Niederschläge war die Situation in dem nordbadischen Weinbaubereich Tauberfranken etwas einfacher. Der Prädikatsweinanteil wird in Baden etwa 40 % betragen. Die Jungweine besitzen eine schöne Säurestruktur und eine feine Fruchtaromatik, besonders gelungen scheinen die weißen und roten Burgunderweine.
   
Nach zügiger Arbeit war in Franken die Weinlese am 20. Oktober so gut wie abgeschlossen. Mit Elan reagierten die Winzer auf die starken Niederschläge vom 3. Oktober um die Traubenqualität zu sichern. Vorher hatte es in Franken vergleichsweise wenig geregnet. Frühe Sorten wie Müller-Thurgau oder Bacchus wurden bereits vor dem Feiertag eingebracht, besonders der Riesling musste danach rasch abgeerntet werden. Die Mostgewichte lagen mit Werten über 90° Oechsle sehr hoch und ließen fast durchweg eine Einstufung der Ernte im Prädikatsweinbereich zu. So kann von einem qualitativ sehr guten bis großen Jahrgang gesprochen werden, der auch mengenmäßig mit einem Ertrag etwa von 470.000 hl zufrieden stellt. Den Verbraucher erwarten körperreiche Weine mit einer ausgeprägten Säure und einem faszinierenden Aromenspiel.

Bereits zu Lesebeginn Mitte September ernteten Winzer der Hessischen Bergstraße eine Müller-Thurgau Trockenbeerenauslese mit 304° Oechsle! Ein Indikator für die in diesem Herbst durchgängig sehr guten Mostgewichte. Beim Riesling liegen diese über 90° Oechsle, beim Spätburgunder noch höher. Wie bereits im Vorjahr fällt die Erntemenge mit etwa 30.000 hl relativ gering aus. Die Weißweine werden sich nach dem Weinausbau extraktreich und mineralisch, die Rotweine füllig und kräftig präsentieren. 

Die Rieslinge aus den Steillagen des Mittelrheins weisen in diesem Jahr überragende Mostgewichte von mitunter 100° Oechsle auf. In der Säure liegen die Rieslinge etwas unter dem Niveau des Vorjahres, der gewünschte Weinsäureanteil ist sehr ansprechend. Auch bei den anderen Rebsorten sind die Mostgewichte überdurchschnittlich. Die Erntemenge übertrifft mit geschätzten 35.000 hl den sehr bescheidenen Ertrag des letzten Jahres um ca. 10.000 hl.

Die wechselhafte Witterung des Herbstes 2006 machte es den Winzern an Mosel-Saar-Ruwer nicht leicht. Feucht-warmes Wetter begünstigte die Reifeentwicklung der Trauben und führte gleichzeitig zum frühen Beginn der Traubenlese. Dementsprechend startete die Riesling-Ernte bereits Anfang Oktober. Steillagenweinbau und selektive Lese von Hand erweisen sich für den Jahrgang 2006 als ausschlaggebende Instrumente zur Erzeugung hochwertiger Weine. Die Mostgewichte des Rieslings lagen meist bei 90 bis 100° Oechsle, wobei auch zahlreiche edelsüße Spezialitäten geerntet werden konnten. Aufgrund der guten Wasserversorgung erwartet man sehr mineralische Weine mit moderaten Fruchtsäurewerten. Die anfangs höher eingeschätzte Erntemenge schrumpfte deutlich auf etwa 850.000 Hektoliter und bewegt sich somit um das Vorjahresniveau.

Alles andere als einen ruhigen Herbst hatten auch die Winzer an der Nahe. Die Niederschläge im September zwangen die Winzer zu einer zügigen Lese, die zum 20. Oktober abgeschlossen wurde. Die Trauben weisen eine hohe physiologische Reife auf: Mostgewichte von 100° Oechsle sind beim Riesling mehr als einmal anzutreffen. Erste Jungweine präsentieren sich kraftvoll und mit verhaltener Säure und schöner Frucht und vergleichsweise früh trinkreif. Das Ernteergebnis entspricht mit geschätzten 310.000 Hektolitern in etwa dem des letzten Jahres, mit etwas geringeren Durchschnittserträgen beim Riesling.  

In Rekordzeit haben die Winzer in der Pfalz ihre Trauben in diesem Jahr eingebracht. Neben Unwetter bedingten Ertragsausfällen an der Mittelhaardt führte die selektive Lese zu einer weiter reduzierten Erntemenge. Sie wird mit ca. 2,1 Mio. hl deutlich unter dem Ertrag einer Durchschnittsernte liegen. Die Mostgewichte lagen für die Weißweine überwiegend im Prädikatsweinbereich, beim Rotwein überzeugte neben den Burgundern vor allem der Dornfelder - 80° Oechsle und mehr waren die Regel. Insgesamt wird die erzielte Qualität als gut bewertet und die zu erwartenden Weine werden als markant, fruchtig und frisch beschrieben.

Einen guten Jahrgang brachten auch die Winzer im Rheingau ein. Die durchschnittlichen Mostgewichte bei Riesling und Spätburgunder lagen über 90° Oechsle. Mehr als die Hälfte der Ernte fällt in die Kategorie Prädikatswein, auch Auslesen und Beerenauslesen wurden geerntet. Die Fruchtsäuregehalte liegen im mittleren Bereich und sollten harmonisch-frische Weine ergeben. Die Spätburgundertrauben haben die diesjährigen Witterungsverhältnisse etwas besser verkraftet als der Riesling. Die selektive Lese wurde unter Hochdruck durchgeführt und war nach nicht einmal vier Wochen zum 20. Oktober praktisch beendet. Die Erntemenge wird bei einem Hektarertrag von etwas über 80 hl/ha mit etwa 240.000 hl höher als im Vorjahr ausfallen. 

Um ein Drittel kürzer als üblich war die Erntezeit auch in Rheinhessen, so dass Mitte Oktober die „Turbo-Lese“ nahezu beendet war. Die Betriebe arbeiteten seit Anfang Oktober teilweise rund um die Uhr. Die Mostgewichte lagen nach den sonnigen Septembertagen erfreulich hoch, beim Riesling bis zu 95° Oechsle. Das lässt extraktreiche, elegante Weine erwarten. Die Niederschläge Anfang Oktober machten auch in Rheinhessen eine arbeitsintensive selektive Lese erforderlich, die insbesondere bei den spätreifenden Sorten die prognostizierte Erntemenge reduzierte. Die etwas ertragreicheren Frühsorten werden diesen Minderertrag vermutlich ausgleichen, so dass eine Erntemenge von etwa 2,6 Mio. hl erwartet wird. Die Qualität des Leseguts wird als gut bewertet. Das Spektrum reicht von durchschnittlich bis exzellent. Man spricht von einem harmonisch ausgewogenen und fruchtigen Jahrgang. Besonders die Rotweine präsentieren sich aufgrund des gesunden und hochreifen Leseguts füllig und tiefrot.    

An Saale-Unstrut konnten sich die Winzer über relativ günstige Wetterbedingungen freuen. Die Lese verlief wie überall recht zügig, aber nicht hektisch. Sie begann noch im September und war Mitte Oktober weitgehend beendet. Die Trauben überraschten mit sehr hohen Mostgewichten. Beim Silvaner wurden über 100° Oechsle erreicht. Auch die Säurewerte werden als ideal angesehen. Insgesamt präsentieren sich die Weine etwas reifer als die Jungweine des letzten Jahrgangs. Die voraussichtliche Erntemenge liegt mit geschätzten 46.000 Hektolitern rund 50 Prozent über dem bescheidenen Vorjahresertrag.  

In Sachsen konnte einige Tage früher als üblich mit der Lese begonnen werden, da das sonnige Septemberwetter mit warmen Tagen und kühlen Nächten den Reifegrad der Trauben begünstigt hatte. Die Winzer in Deutschlands östlichstem Weinbaugebiet konnten sich über durchweg gesundes Lesegut freuen. Da es auch keine witterungsbedingten Ertragsausfälle gab, rechnen die Winzer mit einem guten Ertrag von etwa 20.000 Hektolitern. Die Reifegrade der Trauben liegen bei allen Sorten ebenfalls über denen des Vorjahres. Dementsprechend ist man in Sachsen sehr zufrieden und spricht von einem hochqualitativen Jahrgang.  

Gute Qualitäten, die zum Teil über denen des Vorjahres lagen, erzielten auch die Weingärtner in Württemberg. Spät- und Auslesen wurden sowohl bei den wichtigen Rotweinsorten wie auch beim Riesling eingebracht. Mit rund einer Million Hektoliter Weinmost erwarten die Württemberger rund zehn Prozent weniger Ertrag als 2005. Mengenverluste resultieren aus der Traubenselektion, die weitestgehend durch Handlese erfolgte. Lemberger und Trollinger waren bis zum 20. Oktober überwiegend gelesen. Trollinger lieferte hohe Mostgewichte von 80° Oechsle und gilt als ein Gewinner dieses Jahrgangs. Gerade bei den Rotweinen werden Topqualitäten erwartet. Aber auch die Weißweine präsentieren sich kraftvoll und fruchtbetont.

Eine Übersicht über die voraussichtliche  Weinmosternte in Deutschland und in anderen Weinbauländern finden Sie hier